Was bedeutet „kaltgepresstes Trockenfutter“?

Kaltgepresstes Trockenfutter ist ein Allein- oder Ergänzungsfuttermittel, dessen Kroketten/Pellets nicht über eine klassische Extrusion (Hochtemperatur-Hochdruck-Verfahren) hergestellt werden, sondern über Pressen bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen.

Technologisch läuft das typischerweise so ab:

  1. Rohstoffaufbereitung: Mahlung, Mischung, ggf. Vorbefeuchtung/Dampf.
  2. Pressen (Pelletieren/Pressen): Die Mischung wird durch eine Matrize gepresst und mechanisch verdichtet.
    • „Kalt“ heißt hier nicht Kühlschranktemperatur, sondern: deutlich niedriger als bei extrudiertem Futter (wo lokal sehr hohe Temperaturen/Scherraten auftreten). Ca. 40°C im Gegensatz von bis zu 180°C bei Extrudiertem Futter
  3. Trocknung: Anschließend wird auf eine stabile Restfeuchte getrocknet (wichtig für Haltbarkeit).
  4. Coating (optional): Fette/Öle und Aromen werden ggf. nachträglich aufgebracht.

Wichtig: Der Begriff „kaltgepresst“ ist kein gesetzlich streng definierter Qualitätsstandard, sondern beschreibt primär die Verarbeitungsart. Wie „gut“ das Futter ist, hängt weiterhin stark von Rezeptur, Rohstoffqualität, Nährstoffbilanz und Qualitätskontrolle ab.


Fachlicher Vergleich: Kaltpressung vs. Extrusion

1) Thermische Belastung & Nährstoffintegrität

Extrusion arbeitet mit Hitze, Druck und Scherkräften. Das hat Vorteile (Hygiene, Formstabilität), kann aber auch Nebenwirkungen haben:

  • Hitzeempfindliche Vitamine (z. B. bestimmte B-Vitamine) und bioaktive Bestandteile können stärker abgebaut werden.
  • Maillard-Reaktionen (Bräunungsreaktionen) laufen bei hoher Temperatur/geringer Wasseraktivität leichter ab. Dabei können sich:
    • Aroma- und Bräunungsstoffe bilden (Palatabilität steigt),
    • aber auch Aminosäuren (v. a. Lysin) „binden“, was die Verfügbarkeit reduzieren kann, wenn nicht sauber formuliert und nachanalysiert wird.

Kaltpressung setzt i. d. R. auf niedrigere Prozesstemperaturen, wodurch potenziell weniger thermischer Schaden entsteht. Das ist kein Freifahrtschein (auch Trocknung und Lagerung zählen!), aber es ist ein plausibler technologischer Vorteil.

2) Struktur der Krokette: Quellung im Magen

Ein häufig diskutierter Punkt ist das Quellverhalten:

  • Extrudierte Kroketten sind oft poröser (aufgeschäumte Struktur durch Expansion).
  • Kaltgepresste Pellets sind meist dichter und zerfallen/rehydrieren anders.

In der Praxis berichten viele Halter, dass kaltgepresstes Futter schneller zerfällt und weniger „schwammartig“ aufquillt. Das kann für manche Hunde mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt angenehm sein (z. B. weniger Völlegefühl, gleichmäßigere Passage). Wissenschaftlich ist das nicht für alle Produkte pauschal gleich – die Rezeptur (Stärkequelle, Faser, Fett) beeinflusst das stark – aber die Prozessstruktur kann hier einen Unterschied machen.

3) Stärkeaufschluss & Verdaulichkeit

Ein zentraler Punkt, der oft übersehen wird:

  • Hunde können Stärke verdauen, aber die Verdaulichkeit hängt vom Stärkeaufschluss (Gelatinierung) ab.
  • Extrusion gelatinisiert Stärke meist sehr effektiv → hohe enzymatische Angreifbarkeit → oft sehr hohe Verdaulichkeit.
  • Kaltgepresste Produkte haben je nach Verfahren tendenziell weniger Stärkeaufschluss.

Das ist zweischneidig:

  • Für Hunde, die zu sehr weichem Kot neigen oder bei denen „zu schnell verfügbare“ Kohlenhydrate Probleme machen, kann ein moderaterer Aufschluss günstig sein.
  • Für sehr aktive Hunde oder bei empfindlicher Verdauung kann zu wenig aufgeschlossene Stärke aber auch Blähungen/voluminöseren Kot begünstigen.

Kurz: Kaltgepresst ist nicht automatisch besser verdaulich – es ist anders. Entscheidend ist, ob das Produkt technologisch sauber abgestimmt ist.

4) Hygienisierung & Produktsicherheit

Hohe Extrusionstemperaturen wirken wie eine starke Keimreduktion. Kaltpressung kann ebenfalls sicher sein, aber sie ist stärker darauf angewiesen, dass:

  • Rohwaren mikrobiologisch kontrolliert sind,
  • Trocknung/Wasseraktivität konsequent eingehalten wird,
  • Lager- und Fettstabilität (Oxidationsschutz) stimmen.

Das ist kein Argument gegen kaltgepresst – aber ein Hinweis: Qualitätsmanagement ist hier besonders wichtig.


Warum kaltgepresstes Trockenfutter oft die bessere Wahl sein kann

Wenn man „besser“ fachlich sauber definiert, meint man meist: nährstoffschonender verarbeitet, gute Magen-Darm-Verträglichkeit, stabile Rezeptur und transparente Qualitätskontrolle. Unter diesen Kriterien hat kaltgepresst häufig Vorteile – wenn es gut gemacht ist:

  1. Geringere Prozessbelastung kann die Notwendigkeit reduzieren, Nährstoffe „totzukochen und wieder künstlich zu ergänzen“ (auch wenn Ergänzung in beiden Systemen üblich ist).
  2. Dichtere Pelletstruktur und anderes Zerfalls-/Quellverhalten kann bei manchen Hunden zu ruhigerer Verdauung und besserer Sättigung führen.
  3. Viele kaltgepresste Marken positionieren sich als rezepturgetrieben (höherer Anteil definierter Zutaten, weniger „technologische“ Füllstoffe). Das ist ein Markttrend – kein Naturgesetz – aber in der Praxis häufig zu sehen.

Der Haken: „Kaltgepresst“ ist kein Qualitätsstempel

Du bekommst die besten Ergebnisse, wenn du nicht nur auf das Herstellverfahren schaust, sondern auf messbare Kriterien:

Checkliste für ein wirklich gutes kaltgepresstes Futter

  • Deklaration: klare Proteinquellen (z. B. „Huhn (getrocknet)“ statt „Geflügelmehl“ – wobei „Mehl“ nicht per se schlecht ist, aber Transparenz zählt).
  • Analytik: Protein/Fett/Faser/Rohasche plausibel zum Hundetyp (aktiv vs. ruhig).
  • Kalzium-Phosphor-Verhältnis stimmig (besonders bei Wachstum/älteren Hunden wichtig).
  • Fettqualität & Oxidationsschutz: z. B. Tocopherole/Vitamin E, klare Angabe von Ölen/Fetten.
  • Herstellerangaben zu Qualitätskontrollen (Chargenanalysen, Mykotoxin-/Keimmonitoring).
  • Fütterungsversuch/Bedarfsdeckung: Hinweis auf Orientierung an anerkannten Bedarfsnormen (in Europa häufig FEDIAF).